Mehr Ruhe durch Mikro-Meditationen

Few minutes to relaxDer moderne Arbeitsalltag ist vollgepackt: Unaufschiebbare Entscheidungen, regelmäßige Meetings in hoher Frequenz und unzählige zu beantwortende E-Mails lassen gerade Führungskräften kaum einen Moment zum Durchatmen. Dabei wäre es gerade für diese Gruppe von Menschen so wichtig: Die meisten Manager wissen um die Notwendigkeit, hin und wieder einen Gang runterzuschalten, und Gefühls- und Gedankenwelt kurz einmal zum Stillstand zu bringen. Aber im Gespräch heißt es genauso oft: “Ich würde gerne viel öfter meditieren, aber ich habe einfach nicht mehr die Zeit dazu – 30 bis 45 Minuten pro Tag kann ich nicht entbehren, da gerät mein Zeitplan vollkommen durcheinander.”
Für alle, die ähnliche zeitliche Beschränkungen kennen, gibt es dennoch eine Lösung, die sich mühelos in den Arbeitsalltag einbauen lässt: die Mikro-Meditation. Das sind Meditationen, die mehrmals am Tag praktiziert werden können und nur ein bis drei Minuten dauern. Gerade vor schwierigen Entscheidungen oder emotional berührenden Gesprächen mit Mitarbeitern oder Vorgesetzten ist das eine überaus zeiteffektive Methode, Ruhe und Gelassenheit wiederzugewinnen. Sie lässt sich jederzeit praktizieren, immer wenn man beginnt, sich gestresst  oder überfordert zu fühlen. Wie funktioniert das?
Im ersten Schritt geht es darum, sich auf seinen Atem zu konzentrieren und diesen bewusst zu erleben. Wie ist meine Atmung? ist sie tief oder flach? Halte ich den Atem an oder atme ich frei? Und wie ist es mit dem Rest meines Körpers? Sind Bauch und Magen angespannt oder locker und die Schultern hochgezogen? Denke ich an meinen Atem oder an irgendetwas anderes? An was denke ich?
Der zweite Schritt ist, die Atmung zu vertiefen und tief in den Bauch zu atmen. Versuchen Sie zu spüren, wie es sich anfühlt, wenn sie atmen. Setzen Sie sich dabei nicht unter Druck: Sollte es Ihnen merkwürdig vorkommen, tief in den Bauch zu atmen, dann gehen sie nur in den unteren Brustbereich. Wenn Sie merken, dass Ihre Gedanken abdriften, nehmen Sie das nur wahr, ohne es zu bewerten, und konzentrieren sie sich gleich wieder auf die Atmung.

Wie gesagt eine kurze, aber sehr wirksame Übung, wie man nach einigen Wochen des Praktizieren bemerkt. Sie führt zu mehr Achtsamkeit in allen kritischen Situationen und zu mehr Ruhe und Fokussierung im Gespräch oder beim Erledigen von Aufgaben Zwei bis viermal sollten man diese Übungen fest im Tagesablauf einplanen – zum Beispiel, bevor man in ein Meeting geht, oder nach einem regelmäßigen Jour Fixe. Die Mikro-Meditationen sollten ein regelmäßig wiederkehrender Bestandteil des Tages werden. Aber sie lassen sich auch spontan einsetzen – vor einer wichtigen Präsentation oder bei Konzentrationsverlust. Für viele unsere Teilnehmer sind diese Mikro-Meditationen ein wertvolle Ergänzung zur klassischen Mediation oder sogar der passender Ersatz.

Achtsamkeit im Management – gegenüber Mitarbeiter und Kunden

In jedem Unternehmen gibt es eine Vielzahl von Beziehungen. Unterschiedliche Persönlichkeiten und Sichtweisen treffen aufeinander, es gibt inhaltliche, kommunikative und gefühlsmäßige Ebenen, die manchmal miteinander harmonieren, aber oft genug Konflikte mit sich bringen. Zwischenmenschliche Kommunikation und Interaktion ist viel komplexer, als wir uns vorstellen können. Es ist oft nur schwer herauszufinden, welches unserer Worte den anderen verletzt hat, welche unserer Handlungen dieses oder jenes Gefühl ausgelöst hat. Hat unser Gegenüber wahrgenommen, was wir gesagt haben oder wie wir es gesagt haben? Hat ihn unser Gesichtsausdruck oder unsere Gestik in die Irre geführt oder abgelenkt?

Wir müssen immer daran denken: Botschaften entstehen beim Empfänger.

Wenn wir mehr Bewusstsein über richtige Kommunikation entwickeln wollen, müssen wir lernen, viel genauer hinzuschauen und achtsam mit anderen umgehen. Wir müssen uns auf unser Gegenüber fokussieren.

Aufmerksam Stimmungen und Veränderungen wahrzunehmen, kann schon im Vorfeld viele Probleme entschärfen. Indem ich ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter, meine Kunden und Lieferanten habe und ihnen das Gefühl gebe, dass ich für alle Bedürfnisse und Veränderungen empfänglich bin, sorge ich für ein Klima des Vertrauens, in dem es möglich ist, auch schwierige und anstrengende Situationen zu überstehen. Entscheidend dabei ist, aus gewohnten Routinen auszubrechen, und Sachverhalte wieder neu zu erleben.

Das gleiche gilt natürlich auch für Markt und Wettbewerb: In einer Zeit, in der sich technische Gegebenheiten und Wünsche und Bedürfnisse der Kunden sich in einem rasanten Wandel befinden, bedarf es einer wertfreien, neugierigen Haltung. Es geht bei Trendanalyse und Marktbeobachtung, besonders jedoch bei der Kundenbeobachtung darum, für Unerwartetes offen zu sein und sich nicht darauf zu konzentrieren, seine Erwartungen bestätigt zu sehen. Neue Lösungen, neue Produkte findet man, wenn man mit Anfängergeist an alte Aufgabenstellungen geht.

Das Unerwartete zu managen heißt, dass man zuverlässig achtsam ist, nicht zuverlässig unachtsam. Leider führt die Überzeugung vieler Unternehmen, ihre Kunden, ihren Markt und ihre Wettbewerber exzellent zu kennen fast zwangsläufig zu Unachtsamkeit.

Stefan Rieß