Wie Achtsamkeit hilft, Entscheidungen vorzubereiten und in mehrdeutigen Situationen gelassen zu bleiben

Wolkenkreuzung (2)Veröffentlicht am 7. September 2015 von Charlotte Goldstein

Im Frühsommer kam ein Coachingklient zu mir mit folgender Fragestellung: „Ich bin jetzt 45 Jahre alt und muss schnell den nächsten Karriereschritt tun, sonst könnte es zu spät sein. Meine Optionen sind klar, eigentlich muss ich mich nur zwischen 2 oder 3 Szenarien entscheiden. Nun grüble ich dauernd, was mich glücklich macht und auch gut für meine Familie ist. Kaum habe ich mich innerlich entschieden, schwanke ich schon wieder. Wie kann ich zu einer Entscheidung kommen?“

 

Wünschen Sie sich auch manchmal, mit mehr innerer Sicherheit und Entschiedenheit, mit mehr positivem Vertrauen auf herausfordernde Situationen zuzugehen? Weniger zu zweifeln, oder gar an sich zu zweifeln? Das wäre nicht erstaunlich, denn das Leben in unserer komplexen und dynamischen Welt verlangt ein sehr starkes Selbst.
In einer Welt voller Möglichkeiten stehen wir ständig vor Entscheidungen. Nehmen wir als Beispiel eine Kaufentscheidung. Eine nahezu grenzenlose Auswahl zu haben, lässt unser Herz zunächst höher schlagen: Wir fühlen uns beflügelt, voller Möglichkeiten. In einer nächsten Phase suchen wir nach der besten Qualität und dem besten Preis. Ist die Entscheidung getroffen, ist sie oft nicht eindeutig: Aber notfalls können wir ja noch immer „zurücksenden“… Doch viele Entscheidungen – wie z. B. die eingangs geschilderte Karriereentscheidung – lassen sich nicht so einfach korrigieren oder ungeschehen machen.

 

Der positive und sichere Umgang mit mehrdeutigen Situationen (Ambiguitätstoleranz) ist ein zentrales Merkmal von Führung. Oft bewegen sich Führungskräfte mit ihren Entscheidungsvorbereitungen auf der rein kognitiven Ebene und neigen zu schnellen Bewertungen, auch in sehr persönlichen und weitreichenden Lebensentscheidungen. Doch bei persönlichen Entscheidungen reicht eine Pro und Contra-Liste nicht aus. Schließlich haben Sie Ihren Lebenspartner ja auch nicht auf solche Weise gefunden, oder? Hier gilt es, sich Zeit zu nehmen, in Gelassenheit die Mehrdeutigkeit und Unsicherheit der Situation zuzulassen und in Achtsamkeit die tiefer liegenden Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen so lange aufsteigen und abebben zu lassen, bis innere Ruhe einkehrt. Einen Rahmen dafür bietet die Methode der analytischen Meditation, die im Folgenden beschrieben wird. Hier geht es darum den Prozess des Wahrnehmens und Bewertens wieder in Achtsamkeit und Gelassenheit zu verlangsamen.

 

Üben Sie analytische Meditation an 1-2 Themen, die Ihnen wichtig sind. Falls Sie zwischen mehreren Alternativen schwanken, benennen Sie diese. Es sollten keinesfalls mehr als 3 Alternativen sein.

 

1. Schreiben Sie das Thema/ die Themen als Überschrift (ein Wort, maximal ein Halbsatz) auf einen Zettel.

 

2. Üben Sie 2 Minuten stilles Sitzen, zur Ruhe kommen.

 

3. Richten Sie nun Ihren inneren Scheinwerfer auf Ihr Thema und beobachten Sie Ihre Gedanken. Bennen – nicht bewerten.

 

Sobald Sie kreisende Gedanken bemerken, fokussieren Sie sich mit Fragen:

 

1. Worum geht es wirklich? Welche Teilaspekte und Konsequenzen umfasst das Thema/ die Handlungsoption? Nur Bennen – nicht bewerten.

 

2. Emotionen: Welche Emotionen löst das Thema/ die Handlungsoption bei Ihnen aus?
• Welches Bedürfnis steht hinter diesen Emotionen? Welche Hoffnungen?
Welche Ängste?
Nur Bennen – nicht bewerten.

 

3. Welchen Aspekten habe ich bereits viel Aufmerksamkeit geschenkt? Welche Aspekte sollte ich noch tiefer erforschen/ verstehen? Bennen – nicht bewerten.

 

4. Welchen Nutzen kann dieses Thema bewirken? Welchen Schaden kann es bewirken? Nur Bennen – nicht bewerten.

 

Sobald Sie kreisende Gedanken bemerken, kommen Sie zurück zum Atem
(3 Atemzüge), zurück zur Körperwahrnehmung, dann zurück zum Beobachten, Benennen.

 

Pro Thema oder alternativer Handlungsoption genügt eine Meditationszeit von 10 Minuten. Stellen Sie sich am besten einen Wecker oder Gong. Notieren Sie dann Ihre Erkenntnisse auf. Lassen Sie dann diese inneren Bilder der unterschiedlichen Szenarien bei sich einige Tage wirken. Sie werden sehen, dass Sie bald eine innere Tendenz in eine Richtung oder Handlungsoption verspüren. Eine Garantie, dass dies die „richtige“ Entscheidung ist, gibt es nicht. Es wird aber dann eine Entscheidung sein, bei der Sie Ihr Herz und Ihren Geist mitgenommen und zu der Sie Vertrauen und eine positive Erwartung aufgebaut haben.
Viel Erfolg und zahlreiche Erkenntnisse beim Üben,
wünscht Ihnen

 

Charlotte Goldstein

Wie Achtsamkeit hilft, die Konzentrationsfähigkeit im Führungsalltag zu steigern

„Schnell Entscheidungen zu treffen, ist dauernd nötig. Da übersieht man schon mal ein wichtiges Detail, das stresst – und wenn ich mir dann einmal Zeit für eine umfangreichere Thematik nehme, kann ich mich trotzdem schlecht konzentrieren und denke dauernd an andere Dinge.“

Dies veranschaulicht, dass Konzentrationsfähigkeit in einem dynamischen Arbeitsalltag immer mehr zur entscheidenden Schlüsselkompetenz von Führungskräften wird. In den zwei beschriebenen Situationen wird dies besonders deutlich:

 

  • Entscheidungen müssen unter Zeitdruck gefällt werden. Gleichzeitig hängen wir gedanklich noch dem letzten Meeting nach oder erledigen „schnell“ nebenbei noch andere Dinge.
  • Die Folge: Sind dann Zeitfenster für inhaltliches Arbeiten vorhanden, fällt es uns schwer aus dem Dynamikmodus auszutreten, das Gedankenkarussell abzuschalten und bei dieser einen Sache zu bleiben.

Die eigene Konzentrationsfähigkeit zu steigern führt demnach nicht nur zu einem besseren Gefühl, es hilft auch Risiken zu minimieren und die Effizienz des eigenen Handelns zu steigern.

Unter Konzentrationsfähigkeit verstehen wir die willentliche Fokussierung auf eine bestimmte Tätigkeit oder Thematik über eine bestimmte Dauer. Dabei sind das Ausblenden von äußeren und inneren Störungen ebenso wichtige Faktoren wie die emotionale und physische Befindlichkeit, sowie unser Interesse an der Sache. Zentral beim Erzielen von guten Lösungen und Entscheidungen ist auch das Vermeiden von voreiligen Schlüssen.

 

Formale Achtsamkeitsübungen und die damit verbunden Geistesschulung können hierbei deutliche Erfolge verzeichnen. Folgendes wird von Studien belegen:

 

  • Meditation (je 25 Minuten an drei aufeinanderfolgenden Tagen) mindert Stress in Drucksituationen. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit, da Stresshormone die Leistungsfähigkeit mindern.
  • Meditation fördert geistige Leistungsfähigkeit: Schon nach 6-minütiger Meditation erzielten Studierende bessere Leistungen in Prüfungen als die Vergleichsgruppe.
  • Meditation fördert Merkfähigkeit unter Zeitdruck: Nach einem 4-tägigen Achtsamkeitskurs war die Merkfähigkeit der Studienteilnehmer signifikant besser als die der Vergleichsgruppe, besonders bei Aufgaben mit Zeitdruck.

Wie funktioniert das? Es funktioniert durch das Zusammenwirken der 5 zentralen Achtsamkeitsansätze:

 

  • Beobachten (umfassend wahrnehmen, Anfängergeist und „kindliche Neugier“ aktivieren)
  • Benennen (innerlich neutral beschreiben, damit den Prozess verlangsamen und umfassend betrachten)
  • Nicht -vorschnell- bewerten (dem Drang einer Komplexitätsreduktion widerstehen, eigene Bewertungsmuster erkennen)
  • Nicht -sofort- reagieren (Entscheidungen nicht auf der Basis einzelner Informationen treffen, dem Drang Tatsachen zu schaffen, widerstehen)
  • Konzentration aufbauen und Halten (Ablenkungen ausblenden, Extralosigkeit üben, den Geist aktiv auf das Thema zurückführen)

Wie können Sie dies üben?

 

Üben Sie analytische Meditation an ausgewählten Themen, die Ihnen wichtig sind. Zu Beginn ist es ausreichend, wenn diese Übung insgesamt 10 Minuten andauert.

 

  • Schreiben Sie das Thema als Überschrift (als Wort, maximal ein Halbsatz) auf einen Zettel.
  • Üben Sie 2 Minuten stilles Sitzen, zur Ruhe kommen.
  • Richten Sie nun Ihren inneren Scheinwerfer auf Ihr Thema und beobachten Sie Ihre Gedanken.Bennen – nicht bewerten.

Sobald Sie kreisende Gedanken bemerken, kommen Sie zurück zum Atem (3 Atemzüge),zurück zur Körperwahrnehmung (Hände spüren) dann zurück zum Beobachten und Benennen der Aspekte Ihrer Fragestellung und dem Gefühl der offenen Weite. Beenden Sie die Übung indem Sie einige Mali tief durchatmen, den Körper aktivieren, zum Beispiel durch Strecken oder Durchschütteln.In dem Zustand entspannter Konzentration können Sie nun Entscheidungen treffen oder Schritte zur Bearbeitung der Thematik starten. Viel Erfolg dabei!

 

 

Charlotte Goldstein

 gs