Mit Achtsamkeit gelingt Authentische Führung

Against the Current, school of fish, red mullet 0005

 

„Ich werde künftig der Chef meiner Teamkollegen sein – mir ist klar, dass sich da einiges verändert und ich will mich auch weiterentwickeln … aber vor allem will ich in der Führung authentisch bleiben!“ Diese oder ähnlich Aussagen höre ich oft in meiner Coachingpraxis: Authentizität gilt als zentrale Führungskompetenz und es liegt vielen Führungskräften am Herzen, sich in ihrer Rolle authentisch zu fühlen und auch so wahrgenommen zu werden.

 

„Wissenschaftlich“ betrachtet hat ein authentischer Führungsstil vier verschiedene Komponenten. Jede einzelne entfaltet in einer achtsamen Haltung ihre größte Wirkung. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zu einem authentischen Führungsstil. Um unsere eigenen Stärken und Schwächen tiefergehend zu verstehen und dadurch unser eigenes Selbstkonzept weiter zu entwickeln, benötigen wir Feedback. Achtsames Zuhören und eine offene, nicht-wertende Haltung sind die Voraussetzung dafür, wirklich wertvolles Feedback zu erhalten und dieses auch annehmen und verarbeiten zu können. Wer authentisch führt, bezieht alle, auch die der eigenen Meinung zunächst entgegengesetzten Informationen in die Entscheidungsvorbereitung ein und überdenkt sie. Für diese „ausgewogene Informationsverarbeitung“ bedarf es einer Haltung des Anfängergeistes und wir sollten bewährte und vertraute Denk- und Sichtweisen loslassen wollen und können.

 

Transparenz in Beziehungen entsteht durch die Präsentation des eigenen authentischen Selbst. Dabei geben wir Informationen offen weiter und drücken unsere Gedanken und Gefühle aus. Weiterhin lässt sich die authentische Führungskraft durch innere moralische Standards und Werte leiten und handelt danach. Diese als „internale moralische Perspektive“ bezeichnete vierte Komponente ist der vielleicht entscheidende Aspekt: In der Führungsrolle gilt es, Erwartungen der Mitarbeiter, Prozesspartner, Kunden und nicht zuletzt die der Vorgesetzten zu erfüllen. Sind diese Rollenerwartungen mit den eigenen inneren Werten vereinbar, wird Authentizität erlebt und Glaubwürdigkeit ausgestrahlt. Authentisch führen bedeutet also keineswegs, immer um jeden Preis offen und ehrlich zu sein, steht nicht im Widerspruch dazu, sich auch taktisch verhalten zu können – solange wir dabei unseren zentralen Werten treu bleiben können.

 

Reflexionsfragen:

 

  • Wann habe ich das letzte Mal aktiv Feedback eingefordert? Wie reagiere ich auf Feedback – höre ich zu, versuche ich es umfassend zu verstehen, nehme ich mir Zeit und Muße, um es setzen zu lassen?
  • Wie gehe ich mit Sichtweisen, Informationen um, die neu, anders, unvertraut oder sogar befremdlich für mich sind?
  • Wie offen sind die Beziehungen zu meinen Mitarbeitern? „Traue“ ich mich, Gefühle zu zeigen, Persönliches anzusprechen oder bleibe ich weitgehend auf der Sachebene?
  • Welche Werte sind mir im (Arbeits)leben wichtig und inwieweit kann ich diese in meiner gegenwärtigen Position verwirklichen?

 

kvs