Achtsamkeit im Gespräch

Achtsame Führungskräfte führen häufiger gute Gespräche und verhandeln langfristig erfolgreicher. Wer Management by Mindfulness praktiziert, reagiert seltener reflexartig, sondern tritt erst einmal einen Schritt zurück und erwägt die passende kommunikative Reaktion- sei es in Gesprächen, Meetings oder beim Beantworten der Emails. Diese Impulsdistanz fördert überlegtes Handeln und unsere Freiheit in Entscheidungen. Wir interpretieren eine Aussage unseres Kommunikationspartners nicht aufgrund unserer momentanen Bedürfnisse, Gefühle oder Interessen, sondern sind in der Lage, mit klarem Verstand unsere Antwort zu formulieren.

 

Wenn wir achtsam kommunizieren, nehmen wir die innere Haltung des Anfängergeistes ein. Im Anfängergeist zu kommunizieren bedeutet, in jeder Gesprächssituation, sei sie uns auch noch so selbstverständlich oder vertraut, achtsam und konzentriert zu sein. So als erlebten wir diese Situation das erste Mal. Üblicherweise sind Interaktionen in Meetings oder Gesprächen von Routine geprägt- aufgrund von Häufigkeit und Dauer dieser Regeltermine im Alltag einer Führungskraft erscheint das unvermeidlich. Dennoch sinkt dadurch die Effizienz deutlich, jeder ist „in Gedanken woanders“ oder „noch nicht ganz da“. Wird jedoch eine authentische Präsenz im Gespräch erlebt, steigt die Effizienz und auch die Bindungsqualität.

 

Extralosigkeit bedeutet, sich ganz auf den Kern einer Sache zu konzentrieren – ohne ergänzende oder begleitende Gefühle, Gedanken, Szenarien oder Assoziationen, die vom eigentlichen Kern ablenken. Wenn eine Führungskraft mit dieser Haltung zuhört, vermittelt sie Interesse am Anliegen, setzt beim Gesprächspartner Motivation und Kreativität frei. „Als Mensch gesehen werden“ ist für viele Mitarbeiter ein wesentlicher Indikator für eine gute Beziehung zur Führungskraft!

 

Loslassen, De-Identifikation ist das Sich-Unabhängig-Machen von äußeren Zuschreibungen wie Status, Titel, Erfolgen, Misserfolgen oder anderen Bewertungen – leichter gesagt als getan. Dennoch: Ein wesentliches Merkmal erfolgreicher Führungskräfte ist deren Autonomie im Denken und Handeln. Im Gespräch bedeutet das, zwar ein Gesprächsziel zu definieren – aber auch gleichzeitig wieder loslassen zu können. Die innere Freiheit und Entspannung im Gespräch wächst – ganz neue Aspekte können wahrgenommen, kreative Lösungen gefunden werden.

 

Versuchen Sie in Gesprächs-Führungs-Situationen Achtsamkeit zu praktizieren:

 

  • Halten Sie inne und sammeln Sie sich. Durch ein kurzes Innehalten, einige bewusste Atemzüge oder eine 3-minütige Meditation.

 

  • Schauen Sie hin. Nehmen Sie Haltung, Mimik, Gefühlsausdruck der anderen Person bewusst wahr. Stichwort „einfach nur beobachten – nicht gleich werten“

 

  • Hören Sie zu. Nehmen Sie bewusst wahr, was die Person sagt und auf welche Weise, mit welcher Tonlage sie dies tut. Wenn Sie nachfragen, stellen Sie offene „neugierige“ Fragen. (Anfängergeist einsetzen)

 

  • Aktivieren Sie Ihren inneren Beobachter. Nehmen Sie ihre eigenen Gedanken, Gefühle oder Bewertungen wahr. Erkennen Sie diese, ohne sich von ihnen überwältigen oder zu vorschnellen Reaktionen verleiten zu lassen. „Wahrnehmen und los lassen“ Kehren Sie immer wieder zu Ihrem Atem, Ihrer Körperempfindung zurück.

 

 

Anschließend können Sie folgende Aspekte reflektieren:

 

  • Was habe ich wahrgenommen und beobachtet bei meinem Dialogpartner?
  • Was habe ich wahrgenommen und beobachtet bei mir selbst?
  • Wie bin ich mit den Techniken der Achtsamkeit klar gekommen (einfach nur beobachten, Wertungen fallen lassen, offen präsent im Augenblick sein, eigenen Leistungsdruck fallen lassen)?

 

Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben – wir freuen uns auf Ihre Kommentare!